30.09.2020 Kräftiger Schüttler
Der Tag beginnt erst einmal mit großem Abschied. Vier Delegierte der ersten Rotation verlassen den Einsatz und starten nach dem Frühstück in Richtung Flughafen durch. Für den Rest beginnt ein weiterer arbeitsreicher Tag. Im Rotkreuzgebäude steht uns ein kleines Büro und ein größerer Raum zur Verfügung. Mit der Finanzdelegierten kläre ich einige wichtige Dinge und lasse mich in verschiedene Vorgänge einweisen. In der ersten Rotation wird Geld ausgegeben und Belege gesammelt. In der zweiten setzt sich das langsam. Da hat man meistens auch mehr Zeit, sich zum Beispiel für größere Tätigkeiten Angebote einzuholen. So wie wir es in Deutschland bei Ausgaben über 500 € ja auch haben. Transparenz ist ja auch für den Umang mit Spendengeldern wichtig.
Am Mittag gehe ich kurz ins Hotel, um etwas zu holen. Wieder zurück betrete ich mein Büro als das Gebäude anfängt zu wackeln. Und das Wackeln nimmt zu. Nebenan ertönt eine Alarmanlage. Ich überlege mir ob das wohl ein Erdbeben ist. Ja, es war eines. Ich schaue gleich auf meiner Erdbebenapp nach, wo das Epizentrum des Erdbebens liegt. Es liegt ca. 150 km südlicher. So stark habe ich noch nie ein Erdbeben gespürt. Es war eine sehr beeindruckende Erfahrung.
Kurz darauf ertönt aus meinem Handy ein seltsamer, durchdringender Ton, den ich bisher gar nicht kenne. Per Push-SMS kam eine Warnung, sich nicht in Ufernähe aufzuhalten. Das Alarmierungssystem nennt sich "Cell Broadcast". Das bedeutet, dass jedes Handy in der Umgebung einer Funkzelle eine solche Warn-SMS erhält. Das ist ein Deutschland bisher schon alleine "aus Datenschutzgründen" nicht machbar. Leider. Hat nämlich bestens funktioniert. Hier auf der Insel hat das Beben keine Schäden angerichtet. Auf Samos und in Izmir hatten die Menschen weniger Glück.
Um Ängsten in Deutschland vorzubeugen, habe ich gleich mal ein paar Nachrichten verschickt, dass es mir gut geht. Interessant, wer sonst noch nachgefragt hat. Und irgendwie auch sehr schön.
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